Mittel gegen Flugangst: was Tabletten, Tropfen und Armbänder wirklich bringen

Hotelzimmer am Abend vor dem Flug mit Koffer und Nachttischlampe – Ratgeber: Mittel gegen Flugangst

Wenn der Flug näher rückt, suchen die meisten zuerst nach etwas, das man nehmen kann. Eine Tablette, ein paar Tropfen, ein Armband. Das ist naheliegend, denn die Angst fühlt sich körperlich an, und gegen körperliche Zustände nimmt man eben etwas. Diese Seite sagt dir ehrlich, was die gängigen Mittel tun, was sie nicht tun, und was du stattdessen in den Tagen vor dem Flug machen kannst.

Die kurze Antwort

Es gibt kein Mittel, das Flugangst beseitigt. Die einen dämpfen die Anspannung für ein paar Stunden, die anderen wirken vor allem gegen Übelkeit, und ein Teil wirkt gar nicht über die Erwartung hinaus. Allen gemeinsam ist: Sie verändern die Angst nicht. Beim nächsten Flug steht sie unverändert wieder da, manchmal sogar etwas stärker, weil dein Nervensystem gelernt hat, dass es den Flug nur mit Hilfsmittel schafft. Wenn du willst, dass sich etwas ändert, musst du an der Reaktion selbst ansetzen, und dafür hast du die Tage vor dem Flug.

Die gängigen Mittel im Überblick

Die folgenden Gruppen tauchen bei dieser Frage immer wieder auf. Ich beschreibe, wofür sie gedacht sind. Was für dich persönlich infrage kommt, besprichst du bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, gerade wenn du ohnehin schon etwas einnimmst.

Verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel

Sie dämpfen die Angstreaktion für einige Stunden zuverlässig, und für einzelne, seltene Flüge gibt es Situationen, in denen eine Ärztin oder ein Arzt so etwas verordnet. Die Entscheidung liegt ausschließlich dort, nicht im Internet und nicht bei mir. Was man aber unabhängig davon sagen kann: Unter einer gedämpften Angstreaktion macht dein Nervensystem keine neue Erfahrung. Es erlebt nicht, dass der Flug ohne Katastrophe endet, sondern nur, dass die Dämpfung gewirkt hat. Deshalb sind diese Mittel eine Brücke und kein Weg.

Reisetabletten

Sie sind gegen Reiseübelkeit gedacht, nicht gegen Angst. Viele machen müde, und Müdigkeit fühlt sich wie Ruhe an, ist aber keine. An der Angst selbst ändern sie nichts.

Pflanzliche Mittel, zum Beispiel Baldrian

Baldrian ist auf regelmäßige Einnahme über Tage und Wochen angelegt, nicht auf den akuten Moment am Gate. Wer zwei Stunden vor dem Abflug eine Kapsel nimmt und eine spürbare Wirkung erwartet, wird meist enttäuscht. Als Teil einer ruhigeren Abendroutine in der Woche vor dem Flug spricht nichts dagegen.

Rescue-Tropfen und homöopathische Mittel

In kontrollierten Untersuchungen zeigen sie keine Wirkung, die über die Erwartung hinausgeht. Das heißt nicht, dass sie nichts bewirken: Die Erwartung selbst beruhigt, und ein vertrautes kleines Ritual vor dem Flug hat einen echten Wert. Man sollte nur wissen, woher die Wirkung kommt, dann kann man dasselbe Ritual auch ohne Fläschchen haben.

Akupressur-Armbänder

Entwickelt wurden sie gegen Übelkeit, nicht gegen Angst. Wer sie trägt und ruhiger wird, verdankt das in aller Regel dem Gefühl, etwas getan zu haben, und dem Druckpunkt am Handgelenk, auf den die Aufmerksamkeit geht. Genau das kannst du auch mit deiner eigenen Hand erreichen, siehe unten.

Alkohol

Der verbreitetste Versuch und der ungünstigste. Alkohol dämpft kurz und lässt die Unruhe danach stärker zurückkommen, er stört den Schlaf und er trocknet aus, was in der Kabinenluft ohnehin ein Thema ist. Dasselbe gilt für den Kaffee davor: Koffein erzeugt genau die Körperzeichen, die dein System als Angst liest, also Herzklopfen und innere Unruhe.

Warum die Angst beim nächsten Flug wieder da ist

Angst ist eine Lernreaktion. Dein Gehirn hat das Fliegen einmal mit Gefahr verknüpft, und diese Verknüpfung löst sich nur durch neue Erfahrung. Neue Erfahrung heißt: Du erlebst die Situation, spürst die Angst, und sie geht vorbei, ohne dass etwas passiert. Genau das kann dein Nervensystem nicht verbuchen, wenn die Reaktion währenddessen gedämpft war.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, den Fachleute Sicherheitsverhalten nennen. Wenn du den Flug nur mit Tablette, Tropfen oder Armband antrittst, schreibt dein System den guten Ausgang dem Hilfsmittel zu und nicht dir. Beim nächsten Mal brauchst du es deshalb wieder, und die Angst vor dem Fliegen wird um die Angst ergänzt, ohne das Mittel zu fliegen. Deshalb ist es keine Kleinigkeit, wo du ansetzt.

Drei Dinge, die ohne Mittel wirken

Diese drei kannst du heute Abend ausprobieren, sie kosten nichts und du hast sie immer dabei.

  • Länger ausatmen als einatmen. Durch die Nase ein und dabei bis vier zählen, durch den leicht geöffneten Mund aus und bis sechs oder acht zählen. Das verlängerte Ausatmen ist das stärkste Beruhigungssignal, das dein Körper von sich aus kennt. Ein bis zwei Minuten genügen.

  • Zwei Hände statt Armband. Eine Hand auf den Bauch, eine auf den Brustkorb, und die Aufmerksamkeit auf das Heben und Senken. Wenn du das an mehreren Abenden übst, wird daraus eine Geste, die dein Körper kennt. Im Flieger holst du sie dir zurück, und sie wirkt, weil sie vertraut ist, nicht weil sie neu ist.

  • Über die Sinne zurückkommen. Wenn das Kopfkino anspringt: fünf Dinge benennen, die du siehst, vier, die du hörst, drei, die du spürst. Dein Gehirn kann nicht gleichzeitig aufmerksam wahrnehmen und Katastrophen ausmalen.

Mehr davon, mit den Hintergründen, findest du im Ratgeber Flugangst überwinden.

Die eigentliche Arbeit liegt vor dem Flugtag

Fast alle, die mir davon erzählen, sagen denselben Satz: Der Flug selbst war nicht das Schlimmste, die Tage davor waren es. Das Grübeln beginnt oft eine Woche vorher, und mit jedem Tag steigt die Grundanspannung, auf der die Angst dann aufsetzt. Wer in diesen Abenden etwas verändert, kommt anders am Flughafen an.

Genau dafür ist Selbsthypnose gemacht. Sie redet nicht auf den Verstand ein, der ohnehin längst weiß, dass Fliegen sicher ist, sondern arbeitet mit dem Teil, in dem die Angstreaktion sitzt. Du bleibst dabei die ganze Zeit bei Bewusstsein und behältst die Kontrolle. Was dabei entsteht, ist die Geste aus dem vorigen Abschnitt, verknüpft mit einem ruhigen Zustand, und die nimmst du mit an Bord.

Dein nächster Schritt

Ich bin Diplom-Psychologe in Berlin und arbeite viel mit Hypnose. Für genau die Abende vor dem Flug habe ich ein Audio von 14 Minuten aufgenommen. Es führt dich durch das, was oben steht, und baut die Geste auf, die du danach überall nutzen kannst. Es ist kostenlos, du bekommst es gegen deine E-Mail-Adresse, und du kannst es aufs Handy laden und offline hören.

Kostenlos gegen E-Mail-Adresse · sofort als MP3 · keine Zahlungsdaten nötig

Du kannst es dir auch gleich hier auf YouTube anschauen.

Wenn du danach den ganzen Weg gehen willst, findest du hier die vollständige Anwendung: Hypnose gegen Flugangst

Häufige Fragen (FAQ)

Was kann man gegen Flugangst nehmen?

Es gibt kein Mittel, das die Angst beseitigt. Verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel dämpfen sie für einige Stunden, die Entscheidung darüber liegt bei der Ärztin oder dem Arzt. Pflanzliche Mittel wirken langsam und mild, Reisetabletten sind für Übelkeit gedacht. An der Angst selbst ändert keines etwas.

Hilft Baldrian gegen Flugangst?

Baldrian ist auf regelmäßige Einnahme über Tage bis Wochen angelegt und nicht auf den akuten Moment. Für die Woche vor dem Flug kann er Teil einer ruhigeren Abendroutine sein, eine spürbare Wirkung kurz vor dem Abflug ist unwahrscheinlich.

Sind Rescue-Tropfen bei Flugangst sinnvoll?

In kontrollierten Untersuchungen zeigen sie keine Wirkung über die Erwartung hinaus. Die Beruhigung, die viele spüren, kommt vom Ritual. Das lässt sich auch ohne Fläschchen haben.

Helfen Armbänder gegen Flugangst?

Akupressur-Armbänder wurden gegen Übelkeit entwickelt. Wer damit ruhiger wird, verdankt das meist der Aufmerksamkeit auf den Druckpunkt und dem Gefühl, etwas getan zu haben.

Ist ein Glas Wein vor dem Flug eine gute Idee?

Alkohol dämpft kurz, danach kommt die Unruhe stärker zurück, er stört den Schlaf und trocknet aus. Für einen ohnehin angespannten Körper ist das keine Hilfe.

Was tun, wenn im Flugzeug Panik aufkommt?

Länger ausatmen als einatmen, beide Füße fest auf den Boden, den Rücken bewusst gegen die Lehne drücken, eine Hand auf den Bauch, eine auf den Brustkorb. Am besten vorher zu Hause einüben, damit es im Ernstfall vertraut ist.

Kann man Flugangst ohne Medikamente loswerden?

Ja. Angst ist eine erlernte Reaktion, und was erlernt ist, lässt sich verändern. Der Ansatzpunkt liegt nicht im Verstand, sondern in der automatischen Reaktion, und der beste Zeitpunkt dafür sind die Abende vor dem Flug.